Samstag, September 09, 2006

Auch deutsche Kolonialgeschichte...

Der NDR hat im Mai eine Sendung ausgestrahlt, in der folgende Behauptung aufgestellt wird:

"Bali, Madrid, New York: Anschläge im Zeichen des Djihad, des heiligen Krieges der Muslime gegen die Ungläubigen. Eine mörderische Ideologie, die besonders mit einem Namen verbunden ist: Osama bin Laden. Aber der moderne Djihad wurde in Deutschland erfunden – während des Ersten Weltkriegs. Ausgerechnet ein aus muslimischer Sicht „Ungläubiger“, Max Freiherr von Oppenheim, deutscher Diplomat und oberster Orientstratege von Kaiser Wilhelm II., fordert wörtlich den Djihad als deutsche Kriegsstrategie im Orient.

In Propagandaflugblättern, tausendfach aus Berlin verschickt in die muslimische Welt, ist zu lesen: „Oh Volk der Schawia, zieht in den Djihad gegen die Ungläubigen“. Mit deutschen Waffen und in deutschem Auftrag wurden Putsche und Attentate, sogar Sprengstoffanschläge verübt – gegen die britischen, französischen und russischen Kolonialherren, gleichzeitig Deutschlands Kriegsgegner. Doch am Ende ging der Berliner Djihad-Plan nicht auf. Die große Mehrheit der Muslime wollte mit dem heiligen Krieg made in Germany nichts zu tun haben. Aber die Idee des Djihad als globale Kriegswaffe war geboren: in Deutschland." (NDR-Seite dazu)

Ich denke, das ist ein Beispiel für eine bestimmte Art kolonialer deutscher Intervention - deshalb hier der Hinweis - wenn sich auch die Hauptthese ("deutsche Erfindung") sicher nicht halten lässt - allenfalls wurde, einmal mehr, im Interesse Herrschen Wollender ein Begriff missbraucht, der seinen Ursprung in einer Religion hat. Ganz interessant dazu ist die Diskussion um den Wikipedia-Eintrag "Dschihad".